Patientennetzwerk widerspricht Jens Spahn

Der Aussage von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn, es gäbe in Deutschland keine Zwei-Klassen-Medizin, widerspricht das Versicherten- und Patientennetzwerk im Kreis Steinfurt. Die Wirklichkeit sehe ganz anders aus. Überwiegend bekomme man nämlich bei der Frage nach einem Arzttermin zunächst die Frage gestellt, ob man gesetzlich oder privat versichert ist. Privat Versicherte erhalten deutlich schneller einen Termin, als gesetzlich Versicherte. Norbert Klapper: „Erst jüngst erhielt ein 81-jähriger Parkinson-Patient einen Termin in zehn Monaten.“ Die Regel sei auch, dass zum Beispiel Krankengymnastik im dritten Monat eines Quartals unter Hinweis auf die drohende Budgetüberschreitung nicht verordnet wird. Budget? So etwas bekommen nur gesetzlich Versicherte zu hören. Das allerdings sei nicht der Ärzteschaft vorzuwerfen, sondern dem  Gemeinsamen Bundesausschuss und letztlich der Politik, die für diese Ungleichbehandlung verantwortlich sind. Die Liste weiterer Bespiele kann beliebig fortgesetzt werden.

Versicherten- und Patientennetzwerk: Zusammenarbeit vereinbart. Auch Claudia Middendorf sagt ja

(v. l.) Margret Hartwig, Reiner Krauße, Agnes Bußmann, Claudia Middendorf , Norbert Klapper, Hagen Libeau.Eine Abordnung des Versicherten- und Patientennetzwerks im Kreis Steinfurt, traf sich zum Gedankenaustausch im Büro der seit Oktober 2017 Beauftragten der Landesregierung für Menschen mit Behinderung sowie für Patientinnen und Patienten in NRW, Claudia Middendorf, im Ministerium für Arbeit, Gesundheit und Soziales in Düsseldorf. Es ging darum herauszufinden, ob, wie und auf welchen Feldern eine Zusammenarbeit möglich ist.

Bereits nach einer kurzen Präsentation über das Versicherten- und Patientennetzwerk zeigte sich Claudia Middendorf aufgeschlossen dafür, zumal es sich trotz seiner Gründung im Jahre 2010 noch immer um das landes- und wahrscheinlich auch bundesweit einzige Netzwerk dieser Art auf Kreisebene ist. Die ärztliche Versorgung in der Fläche, das Entlassungsmanagement der Krankenhäuser, die Vernetzung von Haupt- und Ehrenamt in der Pflege, Kurzzeit-Pflegeplätze, junge Menschen im Altenheim und der Regress von Ärzten bei Budgetüberschreitung im GKV-System waren nur einige der diskutierten Themen, bei denen sich nach übereinstimmender Meinung etwas tun muss. Weiterlesen

Wenn der Zahnarztbesuch teuer wird

Von Hans von der Hagen

Kathrin Hertrich ist noch immer fassungslos: „Die Zahnärzte hören nur ‚privat‘, dann ist für sie die Bahn frei zum Abzocken“, sagt sie. Hertrich stammt aus Baden-Württemberg, arbeitet aber in der Schweiz. Zum Zahnarzt geht sie nach wie vor in Deutschland und bezahlt alles selbst. Jahrelang hatte sie nie einen Grund zu Beanstandungen. Die Rechnungen ihres Arztes waren fair, die Behandlung gut. Doch dann wurde die Praxis von einer neuen Ärztin übernommen. Die Behandlungen liefen kaum anders ab als vorher, aber im Nachhinein wurde ihr eine Rechnung präsentiert, auf die sie nicht gefasst war. „Das muss man sich mal vorstellen, für zwei Füllungen, die ersetzt wurden, habe ich 500 Euro gezahlt“, sagt sie. Die Knirschschiene kostete plötzlich 320 Euro statt wie zuvor 80 Euro. Allein für das Ausfüllen des Fragebogens vor dem Anfertigen der Schiene sollte sie 60 Euro zahlen. „Warum“, fragt sie, „bin ich mit keinem Wort vorgewarnt worden?“ Weiterlesen

Deutscher Ethikrat mahnt besseren Schutz von Gesundheitsdaten an

Berlin – Der Deutsche Ethikrat fordert einen grundlegenden Wandel im Umgang mit der immer größer werdenden Datenmenge im Gesundheitsbereich. In seiner heute in Berlin präsentierten Stellungnahme „Big Data und Gesundheit – Datensouveränität als informationelle Freiheitsgestaltung“ betont das Gremium die kontextabhängig wandel¬bare Sensibilität von Daten sowie die zwingende Notwendigkeit, Datensouveränität zu gewährleisten.
Konkret nimmt er dabei den individuellen, zu schützenden Datengeber in den Blick. Institutionen und Politik seien in der Pflicht, mit einer umfassenden gesamtgesell¬schaftlichen Anstrengung rechtliche, außerrechtliche und technische Rahmen¬bedingungen für die Gewährleitung der Datensouveränität des Einzelnen zu schaffen. Weiterlesen

Kosten für Behandlung in der Türkei

Der Anspruch von Versicherten in der deutschen gesetzlichen Krankenversicherung auf Erstattung der Kosten für ärztliche Behandlungen in der Türkei ist begrenzt. Das hat das hessische Landessozialgericht entschieden.

Entscheidung Hessisches Landessozialgericht.pdf

Servicestellen müssen auch Termine für Richtlinien-Psychotherapie vermitteln

Berlin. Terminservicestellen müssen auch Termine für probatorische Sitzungen bei Psychotherapeuten vermitteln, wenn eine zeitnahe Behandlung erforderlich ist. Das hat das Bundesschiedsamt jetzt gegen die Stimmen der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) entschieden.

Demnach müssen die Patienten zunächst eine Sprechstunde besuchen, um über die Servicestellen einen Termin für eine probatorische Sitzung zu erhalten. Nur wenn der Therapeut anschließend eine psychotherapeutische Behandlung empfiehlt und diese auf dem Formular PTV 11 als „zeitnah“ erforderlich kennzeichnet, hat der Patient Anspruch. Der Beschluss sieht außerdem vor, dass die Terminservicestellen dem Versicherten einen weiteren Termin vermitteln sollen, falls sich in der probatorischen Sitzung zeigt, dass Therapeut und Patient nicht zusammenarbeiten können. Weiterlesen