Coburg im Sambafieber

Das Sambafestival machte Coburg bunt

Wer Coburg kennenlernen möchte, sollte die 41.000-Einwohner-Stadt nicht besuchen, wenn das einmal jährlich stattfindende Sambafestival auf dem Veranstaltungsplan steht. Genau das aber war ein Programmpunkt der vom Versicherten- und Patientennetzwerk im Kreis Steinfurt organisierten fünftägigen Reise ins Frankenland. Das Samba-Festival Coburg ist das größte dieser Art außerhalb Brasiliens und fand das 28. Mal in Folge statt. 3.000 Aktive fast aus aller Welt nahmen daran jeweils als Gruppen teil, und was man in deren  Herkunfts-ländern unter Samba versteht, ist schon sehr unterschiedlich. Elf gleichzeitig bespielte Veranstaltungsplätze gab es diesmal in Coburg und mehrere Straßen waren nur noch für Fußgänger zu benutzen. Einige Einheimische „flüchten“ während der Dauer des Festivals aus der Stadt und vermieten, wie man hörte, ihre Wohnungen zu einem guten Preis. Völlig unbeeinflusst vom Festival thront die Veste über der Stadt, in der Martin Luther 1530 für einige Monate durch den damaligen Kurfürsten vor seiner Gefangenschaft bewahrt wurde und wo er einen guten Teil seiner Bibelübersetzung bewältigte.

Das Markgräfliche Opernhaus gilt als das schönste Barocktheater Europas.

Auch die Veste stand selbstverständlich auf dem Programm. Ein eintägiger Abstecher war zum Besuch der 76.000-Einwohner-Stadt Bamberg eingeplant, ein weiteres der vielen Juwele des Frankenlandes.  Der Tag wurde individuell gestaltet, zum Beispiel in der Form der Teilnahme an einer Stadtrundfahrt, die so oft wie jeweils gewünscht, unterbrochen werden konnte. Bevor in Coburg der große Umzug den öffentlichen Straßenverkehr innerstädtisch völlig zum Erliegen brachte, verabschiedete man sich Richtung Bayreuth. Unterbrochen wurde die Anfahrt durch einen Besuch der außerhalb Bad Staffelsteins gelegenen Basilika Vierzehnheiligen, wo man an einem festlichen Gottesdienst teilnahm, der von einem gemischten Chor mitgestaltet wurde. An Sitzplätze war nicht zu denken, denn die Kirche war gefüllt wie sonst wohl nur am Heiligen Abend. Gegenstand der Predigt waren Helfen und Nächstenliebe. Unter anderem am Bespiel der Kapitänin Carola Rackete wurde verdeutlicht, was Helfen oder das Versagen von Hilfe für Helfer und Hilfsbedürftige ausmacht. Ob man und gegebenenfalls welchem Glauben man anhängt, war dabei völlig nebensächlich. Wer rechtzeitig gebucht hatte, kam am Abend des Ankunftstages in Bayreuth in den Genuss  einer Gala im Markgräflichen Opernhaus. Auf Betreiben von Markgräfin Wilhelmine von Brandenburg-Bayreuth, die für die Stadt von ganz besonderer Bedeutung war, wurde es gebaut, 1748 fertiggestellt und 2012 zum Weltkulturerbe erhoben.

Der letzte Tag war für das Kennenlernen der 73.000-Einwohner-Stadt zur Verfügung, die den Eindruck einer mondänen Großstadtstadt macht und über viele Sehenswürdigkeiten, unter anderem die Eremitage verfügt, in der wegen Wassermangels die Wasserspiele nur noch nachmittags stündlich für fünf Minuten eingeschaltet werden. Bevor es galt, das Feld zu räumen, denn die an den diesjährigen Wagner-Festspielen mitwirkenden Künstlerinnen und Künstler trafen ein und brauchten Quartier, gab’s am Abend zuvor noch ein Vier-Gänge Menü, wobei jeder Gang in einem anderen Restaurant eingenommen wurde.