Kritik an fehlender Vertretungsregelung für Ärzte– Lob für Minister J. Spahn

Versicherten- und Patientennetzwerk im Kreis Steinfurt regt Änderungen an
Freitag, 21.06.19, Tag nach Fronleichnam: Christa M. (75)* bemerkt eine Verschlechterung ihres
Gesundheitszustandes und ruft den Facharzt an, bei dem sie in Behandlung ist. Sie erfährt über eine
Tonbandansage, die Praxis sei heute geschlossen, die Vertretung habe eine 36 km entfernte Praxis
übernommen. Da es Christa M. aussichtslos erscheint, diese Praxis während der Sprechstundenzeit
zu erreichen, gibt sie auf. Zwecks Erledigung alltäglicher Aufgaben geht sie in ihre Stadt und kommt
an der Praxis eines Facharztes gleicher Disziplin vorbei. Die hat sie bislang nicht betreten, weil sie im
Internet negativ beurteilt wird, was die Freundlichkeit anbelangt. Die Praxistür steht offen. Christa M.
überwindet sich, geht hinein und fragt, ob sie eine Chance hat, behandelt zu werden, was nicht
länger als zwei Minuten gedauert hätte. Sie scheitert schon bei der Sprechstundenhilfe – und findet
die Bewertung im Internet bestätigt… Thema durch.
In der Woche darauf wendet sie sich ans Versicherten- und Patientennetzwerk im Kreis Steinfurt und
schildert ihre Erfahrungen. Dort findet sie Gehör und dort findet man heraus, dass es Fachärzte
derselben Disziplin gibt, die nur 16, 20 und 28 km entfernt liegen. Sie erfährt aber auch, dass es für
die Bestellung einer ärztlichen Vertretung in Gesetzen keine Regelung gibt. Dennoch werde man
ihren Fall aber an den in Betracht kommenden Stellen vortragen.

Die Kassenärztliche Vereinigung, die ins Spiel kommt, wenn die Vertretung länger als eine Woche
andauern soll, teilt unter anderem mit: „Somit wählt der Arzt in der Regel den Kollegen / die Kollegin
aus, der bereit ist, die Vertretung zu übernehmen und der / die dieselben Leistungen erbringen kann
und darf, die der zu vertretende Arzt erbringt. Dies ist gerade im fachärztlichen Bereich ein
wesentliches Kriterium für die Wahl der kollegialen Vertretung. Dass sich dadurch unter Umständen
weitere Wege ergeben, ist unter obigen Gegebenheiten nicht immer vermeidbar.“ Im vorliegenden
Fall schon. Norbert Klapper vom Versicherten- und Patientennetzwerk: “Es kommt also darauf an,
wieviel Mühe sich der jeweilige Arzt gibt, im Patienteninteresse eine im wahrsten Sinne des Wortes
naheliegende Lösung zu finden.“

Karl-Josef Laumann, Minister für Arbeit, Gesundheit und Soziales, führt u. a. aus, “ im Sinne einer
wohnortnahen Versorgung wäre eine Vertretung im Ort der Betroffenen sicher wünschenswert
gewesen.“

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn teilt mit, es sei Sache der Kassenärztlichen Vereinigung, im
Rahmen ihres gesetzlichen Auftrags zur Sicherstellung der vertragsärztlichen Versorgung auch dafür
zu sorgen, dass eine angemessene und zeitnahe fachärztliche Versorgung durch die
Vertragsärztinnen und Vertragsärzte zur Verfügung steht. Anders als in dem beschriebenen
Vertretungsfall sei bei der Terminvergabe durch die Terminservicestellen der Zeitbedarf für das
Aufsuchen der vermittelten Arztpraxis bei Nutzung öffentlicher Verkehrsmittel die erforderliche Zeit
für das Erreichen der nächstgelegene Praxis Plus maximal 30 Minuten als zumutbar angesehen wird.
Beim Versicherten- und Patientennetzwerk hält man es für unverzichtbar, das seit Jahren
bestehende Problem möglichst noch in dieser Legislaturperiode gesetzlich zu regeln. Norbert
Klapper: „Denn dazu bedarf es eines Gesundheitsministers mit der Energie, dem Gestaltungswillen
und der Durchsetzungskraft eines Jens Spahn.“
* Die Angaben sind anonymisiert und auf Ortsangaben wurde zum Schutz der Beteiligten verzichtet.